Du und ich

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Gestern war Weltfrauentag. Aber ich konnte nur daran denken:

Ich bin Mutter.Du bist Mutter.
Meine Kinder verstehen schon so viel…Deine Kinder verstehen die Welt nicht mehr…
Ich will sie beschützen!Du willst sie beschützen
Ich halte meine Hände vor ihre Augen.Du schirmst sie ab und hältst Augen und Ohren zu.
Ich kann die Bilder ausschalten.Du bist ein Teil von meinen Bildern.
Ich habe Angst!Ich habe Angst!
Ich lege mich tröstend zu meinen Kindern ins Bett.Du suchst erschöpft Zuflucht für die Nacht und hältst die Kinder ganz fest.
Die Kinder haben so viele Fragen. – Ich kenne die Antworten nicht. Die Kinder haben so viele Fragen. – Du erlebst die Antworten gerade mit ihnen.
Können wir etwas tun?Warum tut niemand etwas?
Welche Hilfen kommen denn an?Wo und wie finden wir Zugang zu Hilfen?
Ich bin so hilflos!Ich bin so hilflos!
Ich sehe die Bilder, sie gehen mir nah!Du erlebst, was ich sehe und hast keine Wahl!
„Das ich Krieg“, denke ich – und habe doch keine Vorstellung. „Das ist Krieg“, denkst du – und bist mitten drin.
Ich bin müde vom Denken und rastlos, weil ich etwas tun möchte. Du bist müde vom Laufen, erschöpft vor Sorge, panisch vor Angst.
Ich liege schlaflos in meinem Bett und denke an dich.Du sitzt im Halbschlaf, beschützt die Kinder und hoffst auf mich.
Ich hoffe und atme!Ich hoffe und atme!
Ich frage Gott, schreie ihn an. Warum? Was kann ich tun? Hilf mir – ich brauche doch Sicherheit. Zuversicht. Hoffnung.Du fragst Gott, schreist, ja flehst ihn an. Wo sollst du hin? Warum? Du brauchst doch Sicherheit. Schutz. Zuversicht. Hoffnung.
Gott ist bei mir. Jetzt. Und gleich. Ich fühle mich dir nah durch ihn. Gott ist bei dir. Jetzt. Und gleich. Du fühlst dich ihm nah und hoffst auf mich. Durch ihn.
Ich bete!Ich bete!
Ich hoffe, dass der Krieg bald vorbei ist. Nicht bei uns ankommt!Du hoffst, dass du bald wieder in Sicherheit bist. Dort, wo kein Krieg herrscht.
Meine Heimat fühlt sich bedroht an. Seltsam. Zwischenzustand. In Erwartung von Schlimmem.Wo ist in Zukunft deine Heimat? Was ist noch da, falls du jemals zurück kannst? Wird es alles wieder besser oder noch viel schlimmer?
Ich schaue nach vorn!Ich schaue nach vorn!

Aber heute denke ich nur darüber nach, dass ich in Sicherheit vor meinem Bildschirm sitze und an die vielen Frauen auf der Flucht nachdenke. Besonders jetzt gerade die ukrainischen Frauen, die ihre Männer und Familien zurücklassen müssen. Die mit Mühe oder gar nicht ihre Kinder schützen können. Über die Frauen, die stark sein müssen, während alles zerbricht. Ich denke daran, dass ich morgen wieder zur Arbeit gehen werde und weiß, ich werde dafür bezahlt. Ob nun gerecht oder nicht – ich werde bezahlt. Meine Kinder sind sicher. Sie spielen friedlich. Ob sie nun zu viel Zeit mit ihren Konsolen verbringen oder nicht – egal gerade. Ob sie vielleicht zu viel Süßes oder schon zweimal in dieser Woche FastFood gegessen haben – egal. Sie haben es warm und sicher.

Ich will all die Themen nicht kleinreden. Sie sind wichtig und nicht vergleichbar. Aber ich hier mit meinen kleinen Gedanken denke heute an DICH. Ich bete für DICH und versuche was ich kann, um DIR zu helfen. Ich wünsche DIR von Herzen, dass DU bald in Sicherheit sein kannst. Dass DU irgendwann wieder anfangen kannst, an ein Morgen zu glauben. Ich wünsche DIR so sehr, dass DU es hierher schaffst und wieder frei und ruhig atmen kannst. Ich bete so sehr, dass DEINE Familie vielleicht wieder vereint werden kann. Und ich werde mit meinen Möglichkeit alles dafür tun, an einem Frieden zu arbeiten, der uns alle erreicht. DICH und mich und all die anderen.

Unsere Gedanken werden sich im Gebet treffen. Bei dem, der all unsere Sorgen und Ängste kennt. Der unsere Gedanken kennt und unser Leben hält. Ich vertraue darauf, dass es Hoffnung gibt.

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