Verloren in Erinnerungen

Ich will nicht jammern. Mir geht es, wie wahrscheinlich vielen von euch. Ich bin völlig überfamiliert. Lockdown, Homeschooling, Jobverlust – mein persönliches Wochenhighlight ist der Einkauf mit meiner Mama.

Ich bin eigentlich ein Mensch, der unheimlich gern alleine ist. Alleine in der Natur. Alleine am Meer. Ich liebe meine Erinnerungen. Ich liebe meine Traumwelt. Ich liebe meine eigene Phantasie. Schon als Kind habe ich gerne Geschichten geschrieben. Und sehr früh wurden sie Rosamunde-Pilcher-mäßig kitschig und romantisch. Traumprinzen. Und ja, ich liebe es heute noch, meine eigenen Geschichten zu lesen. Wieder und wieder.

Manchmal begegnet mir irgendwo jemand, der zum Beispiel einen Blick hat, der mir in Erinnerung bleibt. Oder der sich ins Haar greift, was irgendwas in mir auslöst. Oder ich lese eine Zeile und habe genau dazu ein Bild vor mir. Manchmal verschwimmen diese Eindrücke mit alten Erinnerungen und werden dort zu Wunsch-Erinnerungen. Manchmal entsteht auch etwas ganz Neues daraus. Ich liebe es, mir romantische Geschichten auszudenken.

Und manchmal hänge ich dann dort fest. In meinen Erinnerungen. Kürzlich ist mir zum Beispiel eingefallen, wie ich meinen allerersten Freund hatte. Wobei das eigentlich zuviel gesagt ist. Wir waren gemeinsam in der Tanzschule. Ich habe ihn zu meiner Geburtstagsparty eingeladen, die ich mit einer Freundin gefeiert habe. Es muss unser 15. Geburtstags gewesen sein. Er kam dorthin und hat mir Shakespeares Sommernachtstraum geschenkt und Romeo & Julia. Ich habe diese Bücher immer noch. Naja, kurz darauf hat er mich gefragt, ob ich mit ihm gehen will. Und das war so anders, als ich es mir erträumt hatte. Ich habe mich dann am Telefon einfach verleumden lassen. Bis er nicht mehr angerufen hat. Und ich schäme mich bis heute dafür. Wahrscheinlich denkt er gar nicht mehr an mich, und ich würde mich heute noch so gern entschuldigen…

Und so ist das mit mir und meinen Erinnerungen. Darüber könnte ich noch viele weitere Seiten füllen und vielleicht werde ich das auch. Aber als wichtigste Essenz bleibt wohl, dass immerhin diese Erinnerungen und Gedanken nur mir allein gehören. Um vielleicht irgendwann auf irgendeine Weise aufgeschrieben zu werden. Wer weiß…

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