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Predigt zum Abschluss der 10er der Gesamtschule Derschlag. Zu „Irgendwann ist Jetzt“ von Max Giesinger. Ebenfalls zugrunde liegt das Gleichnis vom Senfkorn.

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Alle,

ich frage mich, wie ihr heute hier seid. Euphorisch-glücklich, weil jetzt eure Zeit ist?

Genervt? Boah Kirche – echt jetzt? Und dann auch noch Max Giesinger?

Unsicher? Wie wird es weiter gehen und wohin?

Unruhig – ihr wollt endlich durchstarten und wisst genau wohin?

Wie war euer Weg bis hierhin? Eher steinig und schwer mit einer großen Portion Erleichterung, dass die Hürde Schulabschluss nun genommen wurde? Oder ganz easy? Immer das eine Ziel vor Augen, das das Lernen ganz einfach werden ließ?

Ich sag euch was: Alles davon ist gut und richtig und wichtig. Denn Dein Leben ist Deine eigene Geschichte und sie spielt nicht irgendwann, sondern genau jetzt.

Was wir da gerade von Jesus gehört haben über das Senfkorn ist so ein typisches Jesus-Ding. Er redet in Bildern zu seinen Jüngern und allen, die ihm folgen und zuhören. Das kann man sich leichter einprägen.

Vielleicht habt ihr auch mit Bildern gelernt – es gibt ja die verschiedensten Methoden, um sich Dinge leichter zu merken. Loci-Methode, ABC-Methode, Verbildlichung, häufige Wiederholung… ich habe für mich nie die eine Methode gefunden. Nicht jeder Stoff lässt sich durch die immer gleiche Methode lernen, finde ich. Aber tatsächlich geht es mir mit den Bildern, die Jesus beschreibt, oft so, dass ich erst das Bild sehe, und das so nach und nach auf mein Leben übertragen kann. Was ja schon fast die Anwendung mehrerer Lernmethoden ist…

Na toll, werdet ihr jetzt denken. Wir wollen feiern, dass wir den Abschluss in der Tasche haben, und die redet von Lerntechniken. Das Lernen ist vorbei – jetzt beginnt das Leben…

Und genau das ist falsch. Denn es hat schon längst begonnen. Ihr steckt mitten drin, in diesem Leben. Ihr habt schon unzählige Entscheidungen getroffen oder zumindest mitgetroffen. Als ihr noch jünger wart, mussten andere viele Entscheidungen für euch treffen. Einige davon reichen noch weit in euer Erwachsenwerden hinein. Manche ließen sich leicht treffen, andere schwer. Manche waren unglaublich weitreichend, andere ganz banal und nicht der Rede wert. Aber all das ist Leben. Es ist das, was nur euch selbst ausmacht. Dich und Dich und Dich. Kein Leben gleicht dem anderen. Ihr werdet Wegstücke gemeinsam gehen, dann gabeln sie sich vielleicht. Manchmal treffen sie wieder aufeinander, manchmal nicht. Und die Kunst des Lebens besteht darin, zu leben während es auch passiert, das Leben. Nicht zu viel planen, nicht zu viel bereuen. Klingt abstrakt?

Dieses Lied, das wir gerade gehört haben, ist für mich echt ein Hit from Heaven. Max Giesinger bringt es so gekonnt auf den Punkt: Irgendwann ist jetzt.

Manchmal regt sich vielleicht dieses Gefühl in eurer Magengegend, ein Widerstand gegen all diese Dinge, die „eben schon immer so waren“. Das heißt nicht, dass ihr sie genau so weitermachen müsst. Nehmt dieses Gefühl in euch ernst. Es ist euer Schlüssel zu euch selbst. Es klingt so mächtig, wie Max da singt: Ich fang endlich an zu glauben, dass alles was ich brauche, schon immer in mir steckt. – Ja, das tut es: Es steckt in Dir. Und in Dir.

Das bringt mich wieder zu Jesus. In dem Gleichnis vom Senfkorn haben wir gehört, wie winzig es ist, wenn es gesät wird und was daraus entsteht. Das Reich Gottes. Und ihr seid ein Teil davon. Stellt euch vor, dieses Senfkorn ist euer Leben. Ihr seid mitten in der Entfaltung – eure Wurzeln festigen sich, eure Äste strecken sich dem Himmel entgegen – in alle Himmelsrichtungen, sie bekommen Blätter, manche werden abfallen, sie werden Früchte tragen und Sturm und Regen trotzen. Wie großartig ist doch so ein Baum. Schattenspender. Ernährer. Luftverbesserer. Lieblingsort. Das alles kannst auch Du sein. Wenn Jesus Dich fragen würde: Was willst Du? Was willst Du sein? Wer willst Du sein? – dann sei mutig! Stell Dir die Frage, auch wenn sie manchmal weh tut. Stell Dir die Frage, auch wenn Du weißt, dass jemand eine bestimmte Antwort von Dir erwartet, die Du aber nicht geben kannst, wenn Du Du selbst bleiben möchtest. Diese Frage, was Du willst oder WER du sein willst,  kann oft in Deinem Leben ein echter Gamechanger sein.

Wartet nicht auf Irgendwann. Im Lied stecken eine Menge Stellen, die ihr jetzt einfach abtun werdet. „Das betrifft mich doch jetzt nicht.“ Aber ich bin mir sicher, dass ihr ab heute bei jedem unbedacht daher gesagten „Irgendwann“ noch einmal nachdenken werdet.

Denkt euch ein paar Jahre zurück, als eure Reise hier auf der Gesamtschule begonnen hat. Wie habt ihr da über euren Abschluss geredet? Sicher ist da das Wort Irgendwann häufig gefallen, oder?

Wie war das, als ihr euch um euren ersten Praktikumsplatz bewerben musstet? Ihr solltet plötzlich eine Idee von einer Berufswahl haben, die doch erst „Irgendwann“ eine Rolle spielen würde.

Merkt ihr was? Irgendwann ist Jetzt. Nicht morgen. Nicht gestern. Irgendwann ist Jetzt.

Deine Zeit ist ein Geschenk Gottes – das Leben spielt sich immer heute ab.

Es gibt Dinge, die ich euch heute so gern ermutigend mit auf den Weg geben möchte und das Wichtigste davon ist: Lebt. Lebt jetzt. Lebt so, wie ihr es euch vorstellt. Schiebt nichts auf, was nicht aufgeschoben werden muss. Streicht das Wort „irgendwann“ aus eurem Wortschatz.

Das klingt aus dem Mund einer – ja, wie soll ich mich jetzt bezeichnen – ich fürchte „älteren Frau“ total blöd, total nervig. Da will schon wieder jemand besser wissen, was gut für mich ist. Nein, das will ich nicht. Ich möchte euch nur ermutigen, euch Zeit zu nehmen für die Dinge, die euch wichtig sind. Mutig zu sein, unbequeme Fragen zu stellen. Eure Berufswünsche zu verwirklichen. Lebt nicht das Leben, was andere sich für euch vorstellen, sondern eures. Und fangt damit nicht irgendwann an, sondern jetzt.

Ihr habt einen entscheidenden Vorteil: Ihr habt Gott an eurer Seite. Bittet ihn um Erkenntnis, um Klarheit in den Bereichen eures Lebens, die euch verunsichern. Er wird euch nicht allein lassen. Er wird da sein. Und er hat euch mit allem ausgestattet, was euch ausmacht. Ihr dürft weiter die werden, die ihr bereits seid. Vielleicht spricht er in Bildern zu euch, die ihr vielleicht nicht immer sofort versteht, aber er tut es. Gott ist bei euch und begleitet all eure Versuche, eure Wege. Erfolgreiche und weniger erfolgreiche.

Seid kritisch, hinterfragt Dinge, die euch nicht klar sind. Sucht Antworten. Seid unbequem, wo es sein muss.

Wenn ich euch so anschaue, dann habe ich nur eine Ahnung von eurem Gepäck aus Wünschen und Träumen, aus Plänen und Visionen. Ich stelle mir vor, dass jeder von euch ein kleines Regal hat mit Schubladen. Ordnet all eure vielleicht noch ganz vagen Vorstellungen da ein. Was jetzt schon geht kommt ganz nach oben, was noch ein bisschen dauert, etwas weiter nach unten. Aber nicht in die Irgendwann-Schublade. Denn die wird sonst zur verstaubten Nostalgie-Schublade und wird eines fernen Tages zur „Hätte ich doch damals…“-Schublade und das wäre schade.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen in Jesus Christus. Amen.

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